Auf los geht’s los . . . ja, wenn das mal so einfach wäre bei unseren Windhund-Rennen

Feb 24th, 2015 | By GK | Category: Informationen

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Liebe Windhund-Sportfreunde, an dieser Stelle wollen wir in unregelmäßigen Abständen mit Beiträgen zu aktuellen Themen Diskussionen anfachen mit dem Ziel die Gefahrenquellen für die Sicherheit und Gesundheit unserer Hunde zu minimieren. Ein erster Beitrag von Peter Hartard beschäftigt sich mit dem Thema “Wann ist der richtige Zeitpunkt um die Startklappe zu öffnen?”

Unsere Hunde sind Gewohnheitstiere und ich glaube, dass das jeder weiss. Wenn wir das annehmen, dann muss doch klar sein, dass wir die Abläufe bei den Rennen weitestgehend standardisieren müssen. Nur dann können unsere Hunde profitieren und ihre Rennen so sicher wie möglich bestreiten. Es geht aber auch wegen der Verletzungsgefahr darum, es immer auf allen Bahnen, bei allen Rennen gleich zu tun, immer das gleiche Prozedere, damit die Hunde sich nicht „unnötig“ verletzen. Das Risiko in allen Bereichen zu minimieren, sollte an erster Stelle stehen. Wenn wir danach handeln, wäre es das Normalste, dass wir auch so verfahren. Leider ist es oft nicht so. Jeder hat eine andere Meinung über Richtig oder Falsch. Es sollte dennoch möglich sein, gemeinsam das zu finden was für die Hunde das Beste ist. Es geht ja auch letztendlich nicht um richtig oder falsch, sondern darum, es für die Hunde in allen Rennen gleichzumachen, damit sie sich nicht immer auf neue Situationen einstellen müssen.

Öffnen der Startbox! Es gibt zwei Versionen für das Öffnen einer Startbox:
1. Den Startkasten öffnen, wenn der Hase auf gleicher Höhe ist, wie die Vorderseite der Startbox. (Wird bei uns so gut wie nicht praktiziert.)
2. Den Hasen in die Startgerade zu ziehen, bis die Hunde diesen sehen können und erst dann die Box zu öffnen.

In den Ländern IR, GB, USA, AUS,  wird nach Version 1 verfahren. Die 2. Variante birgt einige Gefahren in sich, welche die 1. Version für gewöhnlich ausschliesst. Wenn der Hund in der Box verbleibt, bis er den Hasen sieht, wird er in der Regel sehr unruhig, was verständlich ist, da er ja das Objekt der Begierde jagen möchte. Eine Art der Verletzung könnte sein, dass er mit der Pfote an den unteren Rand des Gitters stößt und sich die Kapseln der Zehen verletzen könnte. Auch besteht die Gefahr, dass er sich den Kopf am Gitter anstösst, weil eben die Box noch nicht geöffnet ist. Gehirnerschütterung, aufgeschlagene offene Lippen oder abgebrochene Zähne sind da keine Seltenheit.

Noch zu beachten ist, dass ein Hund, wenn er diese unangenehme, schmerzhafte Bekanntschaft mit dem Gitter gemacht hat, beim nächsten Mal denkt: Na da wart ich mal ab, bis die Box auf ist und setze mich dann in Bewegung. So kann aus einem guten Starter ein „verhaltener oder schlechter“ Starter werden. Vielleicht sogar für immer - oder mit viel Liebe, Arbeit und Glück kann man so ein negatives Erlebnis nochmals aus seinem Kopf löschen. Bis zum nächsten Mal.

Es hat sich die letzten Jahre gezeigt, dass das frühe Öffnen, mit dem Hasen auf gleicher Höhe der Startbox, für die Hunde von Vorteil ist. Das heisst allerdings auch, dass der Hasenzieher mit der nötigen Geschwindigkeit der jeweiligen Rasse, die es zu ziehen gilt, anfährt und wenn der Hase auf Höhe der Startbox ist, diese geöffnet wird. Der Hasenzieher gibt die Pace an und nicht der Starter öffnet, wenn der Hase weit genug vorliegt. Z.B.: Wenn der Hase für Greyhounds gezogen wird, wird jeder Hasenzieher mit mehr Anlauf und der entsprechenden Geschwindigkeit an der Box vorbeifahren.

Wir schätzen, dass der Hase mit ca. 60 km/h den „Öffnungspunkt“ passiert und dann wird die Klappe geöffnet. In diesem Moment ist aber der Hase schon in der Startgeraden und in der Sicht der Hunde. Da ja bei einer Geschwindigkeit von 60 km/h der Hase ca. 17 m in der Sekunde zurücklegt, ist er folgendessen, wenn man die Reaktionszeit der Hunde zurechnet, mindestens 20 m vor und somit im richtigen Abstand zu den Hunden. Folglich ist die oben genannte Verletzungsgefahr in der Startbox fast ausgeschlossen. Leider sind nicht alle Verantwortliche der Meinung, dass das frühe Öffnen die bessere Variante ist. Erst recht zu bedenken ist, dass die Whippets in die Kurve starten und bei zu weitem Vorlegen sie den Hasen nicht mehr im Sichtfeld haben. Auch hier ist ein Öffnen der Box mit dem Hasen nur von Vorteil!

Stellt euch vor, ihr trainiert einen jungen Hund auf Bahn 1, wo er mit dem Hasen beim Erreichen der Box gestartet wird und kommt dann auf Bahn 2, wo der Hund warten muss, bis der Hase in die Gerade gezogen wird. Da bleibt es nicht aus, dass die ohnehin schon große Verletzungsgefahr nochmals gesteigert wird, da der Hund schon auf ein frühes Öffnen der Box trainiert wurde. Dadurch ist die Gefahr noch größer als es in der 2. Variante ohnehin schon ist. Ebenso schlecht ist es, wenn der Hund von Bahn 2 weiss, dass der Hase in die Gerade gezogen wird und er seine Spannung erst dann zu hundert Prozent aufbaut, wenn er den Hasen sieht. Aber da ist die Kiste schon auf, weil wir ja auf Bahn 1 sind und in unseren Augen macht er gerade einen klassischen Fehlstart. Aber der Hund kennt es eben so nicht und „seine Gewohnheit“ war, dass er loslegt, wenn der Hase bereits in sein Sichtfeld gezogen wurde. Ja, die Macht oder eben die Ohnmacht der Gewohnheit!

Wäre es nicht sinnvoll, dass die Sportkommission ein Treffen organisiert, wo wir mit Rennleitern, Hasenziehern, Startkasten- und Sattelplatzmannschaften an einem Tisch sitzen und das Prozedere festlegen. Bei allen Sportvereinen, die wir in Deutschland haben, gibt es „gemeinsame Spielregeln“, nach denen verfahren wird. Sei es beim Fußball, Handball, Tennis, Dart, usw., da wird immer gleich gehandelt um es letztendlich so einfach wie möglich im Ablauf zu haben. Nur bei uns nicht, wir schaffen das nicht, obwohl unsere Hunde Gewohnheitstiere sind und es wichtig wäre, dass sie immer gleiche Bedingungen vorfinden. Ich habe ja schon vor einigen Jahren das kleine 1×1 zusammengestellt. Es gehört aufgefrischt und überarbeitet, aber als Grundlage für einen Arbeitskreis dient es allemal und wir könnten damit „verbindlich“ eine Vorgehensweise erarbeiten zum Wohle unserer Hunde!

Es nützt aber nichts, wenn ihr das hier lest und zur Kenntnis nehmt. Ein jeder sollte schon bei den Vereinen und den jeweiligen Rennleitern dafür plädieren, dass wir es überall gleich tun. Das Öffnen auf Höhe der Startbox mit dem Hasen, wie im Beispiel der Bahn 1. wäre aus meiner Sicht der bessere Weg. Es wäre toll wenn wir alle, den Sinn oder den Unsinn, „es nicht gleichzutun“ so sehen würden. Lasst uns doch alle gleich handeln, das kann für unsere Hunde nur zum Vorteil sein. Dann mal los!

Ich wünsche allen eine gute und erfolgreiche Saison 2015.         Peter Hartard

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