Die Junghunde - unsere Zukunft!

Mrz 7th, 2016 | By GK | Category: Informationen

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Immer öfter ist zu sehen, dass die Trainingstage vermehrt zu Freizeitveranstaltungen werden. Klar ist es unsere Freizeit, die wir auf der Trainingsbahn verbringen, aber es sollte professioneller zugehen als das, was man so sieht. Es ist auch zu sehen, dass es viele neue Windhund-Besitzer gibt, die mit ihren Junghunden zum Training kommen. Das ist erfreulich und das soll ja unsere Zukunft sicherstellen.

Stichwort Ausbilden: Was man so beobachten kann, hat wenig mit Ausbildung der Youngster zu tun. Auch eine Einführung der Besitzer ist nicht zu erkennen.  Oft ist es so, das viele Hunde keine oder nur geringe Hasenschärfe zeigen. Sollen aber gleich den Hasen verfolgen, möglichst sofort eine ganze Runde. Das Ende vom Lied ist, dass viele Hunde nach einigen Metern stehen bleiben und zurücklaufen. Der denkbar schlechteste Anfang für einen Junghund.

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Wäre es nicht von Vorteil, wenn man am Trainingstag, eine gewisse Zeit vor dem eigentlichen Trainingsbeginn, ein Junghundetraining machen würde. Begrenzte Teilnehmerzahl damit man die Zeit hat, ein Training zu erläutern und den Junghunden zu zeigen, was man von ihnen will. Man könnte mit den Besitzern sprechen und fragen, was der Hund schon gelernt hat. Ob er hasenscharf ist, wenn ja, kann man eine andere Vorgehensweise wählen als mit einem gänzlich unerfahrenen Hund. Auch ein Beobachten des Hundes, ob er argwöhnisch ist, ob er unsicher ist, wäre sinnvoll um gerade bei diesen Hunden bedächtig vorzugehen. Die Frage, wie fit er ist, ist wichtig um den Junghund nicht zu überfordern. Man sollte gleich darauf hinweisen, dass ein Warmmachen vor der körperlichen Belastung unerlässlich ist. Ich bemerke es nicht ohne Grund, denn was ich teilweise zu sehen bekam, macht nachdenklich. Nicht nur Leute, die zum ersten Mal auf der Bahn sind, auch Hundeleute, die schon lange dabei sind, wärmen ihre Hunde nicht richtig auf. Aus dem Auto geradewegs zum Startkasten bis zu den Pseudo-Warmläufern, die ihren Hund 5 Min. vor Beginn ihres Laufs herausholen und auf- und abschlendern. Richtiges Warmlaufen kann bis zu 5% mehr an Leistung bringen. Das wäre der eine Vorteil, aber der andere Vorteil ist, dass die Hunde sich weniger Muskelverletzungen zuziehen. Je kürzer die Wettkampfstrecke umso intensiver muss das Aufwärmprogramm aussehen. Auch das Abwärmen des Hundes ist erwähnenswert, da es wichtig ist, denn da wird schon die Regeneration eingeleitet.

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Es würde doch vollkommen genügen, den Hund erstmal aus der Hand zu starten und hinter dem Hasen herzulaufen, der vom Besitzer oder einer anderen Person von Hand gezogen wird. 10-20 m um zu sehen, ob er auf das Objekt anspricht. Wenn er da gezeigt hat, dass er das kann, kann man das nächste Mal vielleicht 20-30 m mit der Hasenmaschine üben. Da wir ja die nötige Zeit haben, kann man es 1-2 x wiederholen, um es zu festigen und dann mit diesem Erfolgserlebnis das Training zu beenden. Aufbauend kann man beim nächsten Mal den Hund die Startgerade rennen lassen. Wenn er auch das mit Bravour gemeistert hat, kann man mit dem Kurventraining beginnen.

Gerade bei Greys ist es wichtig, dass sie lernen wie die Kurve zu laufen ist. Unabhängig davon kann man Startkasten üben. Bitte nicht alles auf einmal, vielleicht im Wechsel - Richtig gemacht dauert seine Zeit. Falsch gemacht geht ganz schnell und dann vielleicht für immer. Auch das lange an der Bahn stehen mit dem Hund ist nicht förderlich. Die sind nicht doof und sehen ganz genau was die anderen so machen. Aber das sollte nicht mehr als 5 Min. sein. Wenn man dann an der Reihe ist und der Hund durch immer gleiches Prozedere (aus dem Auto, warm machen, zum Sattelplatz um an die Startbox gebracht zu werden) seine Spannung aufgebaut hat, wird er hoch konzentriert und fokussiert sein für die Aufgabe, die er erfüllen soll.

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Es ist doch wohl allen klar, wenn der Hund es nicht richtig gezeigt bekommt und stehen bleibt oder gar zurückläuft oder über den Zaun springt um abzukürzen, die Besitzer irgendwann die Lust verlieren. Und wir als Rennverein, als Verband dann eben diese Leute als Teilnehmer verlieren. Es liegt an uns, dass wir möglichst viele Hunde auf die Bahn bekommen. Wie oft man ein Junghundetraining macht, hängt von der  Nachfrage ab. Einen Versuch wäre es wert, denn unsere Hunde haben es verdient, dass wir uns die größtmögliche Mühe geben.

Auch wundert es mich, wie wenige Greyhounds zur Zeit auf der Bahn sind. Ein BSR mit 5 Rüden und 5 Hündinnen, das hätte ich mir vor Jahren nicht träumen lassen. Warum das so ist, kann man nur spekulieren. Vielleicht mag es zum Teil daran liegen, dass die Junghunde nicht die Zeit haben, erfahrene Rennhunde zu werden. Sie werden im zarten Alter überfordert. Es spricht nichts gegen frühes Beginnen, aber man sollte mit Bedacht zu Werke gehen. Da kommen Junghunde zum Lizenzlauf und die Besitzer sagen, im zweiten Lauf wird er immer schneller. Ich hab dafür gekämpft dass wir nur noch 4 Lizenzläufe machen müssen und diese mit nur einem Lauf am Tag und das auch über die 280 m. Genau aus diesem Grund, dass wir die Jungen nicht überfordern. Da sind sie gerade mal 14, 15 oder 16 Monate alt und da wissen einige schon, dass sie in ihrem 2. Lauf schneller sind. Unglaublich! Sehnen und Bänder brauchen bis zu 2,5 Jahren, bis sie sich entwickelt haben. Da werden 15 Monate alten Hunden Höchstleistungen abverlangt, die sie eigentlich aufgrund ihrer Jugend noch gar nicht leisten sollten. Viel zu früh werden die Hunde auf eine komplette Runde geschickt. Und wenn die Besitzer sehen, dass es ein „Schneller“ werden könnte, übermannt sie der Ehrgeiz und sie sind jede Woche auf der Bahn. Solange, bis einige, bevor sie ihr erstes Rennen machen können, ihre ersten Einschränkungen hinnehmen müssen. Und wenn sie ihre Lizenz haben, werden sie sofort zu jedem Rennen gemeldet. Aber da das noch nicht genug ist, zwischen den Rennen noch einen Trainingslauf. So oft, dass ich schon dachte: Gibt es einen Bonus - Miles and More - am Ende des Jahres. Merke: Ein erschöpfter Muskel ist nicht trainierbar.

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Es ist schwer genug, einen Grey am Laufen zu halten. Nur wer 100% investiert, kann 100% herausholen. Nur mit viel Geduld und Einsicht werden es einige schaffen, ihr kurzes Rennleben zu bestehen. Ein Greyhound ohne Verletzungen ist selten und benötigt außer einer Menge Geschick noch das Quäntchen Glück. Man sieht es daran, dass es wenige 5jährige gibt, die noch laufen und ihre Leistung bringen. Die meisten sind schon viel früher nicht mehr auf der Bahn oder erreichen nie mehr ihre Ursprungs-Leistung. Geduld ist nicht das Zauberwort, sondern sollte die Vorgehensweise sein. Da kommen die Hunde viel zu früh nach einer Verletzung wieder auf die Bahn. Das Resultat ist, dass die alte Verletzung wieder aufbricht oder eine weitere hinzukommt. Somit verlängert sich die Rennpause oder es bedeutet eben das Aus.

Früher wurden Verletzungen nicht in die Welt posaunt. Da wurde mehr verheimlicht und im Stillen behandelt. Heute ist das Gegenteil der Fall. Da wird jede Verletzung gepostet, um ein Ah, der Arme und ein Oh, das tut uns leid, zu bekommen. Außer Mitgefühl kann man vielleicht noch den einen oder anderen Ratschlag erhalten. Man kann auch bei einigen sehr genau die Verletzungsorgie verfolgen, die die Hunde im Laufe ihres Rennlebens haben. Da posten sie eine Verletzung, die 6 bis 8 Wochen Ruhepause benötigt und nach 4 Wochen sind sie wieder auf der Bahn und machen einen Test! Da muss man sich nicht wundern, dass der Versuch eben negativ ausfallen könnte.

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Glaubt irgendjemand, dass ein zu 80% fiter Hund die anderen, die 100% fit sind, schlagen kann? Glaubt das wirklich jemand? Man sollte aber auch erwähnen, dass Rennverletzungen enorm abgenommen haben, auch wenn man diese niemals ausschließen kann. Auch Verletzungen, die wir dem Geläuf zuordnen könnten, sind heutzutage als eher gering einzuordnen. Vielmehr sind es vermehrte Freiläufe in Wald und Flur und das zu häufige Laufen bei Rennen oder Trainings, die verletzungsförderlich sind.

Geduld ist das Maß der Dinge. Bei dem Junghund, der seine Lizenz macht oder dem Newcomer bei seinen ersten Renneinsätzen und nach Verletzungen ihm die Zeit geben, die er braucht. Lasst uns doch verantwortungsbewusst mit unseren Hunden umgehen. Sie werden es uns danken und uns bei ihren Rennen lange Spaß machen. Und wir können dann hoffentlich noch lange Windhundrennsport erleben!

Peter Hartard

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